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Umweltschule - Forum 2016
 
Leben wir im sechsten großen Massensterben der Erdgeschichte - diesmal vom Menschen verursacht?
 


Die größten Massenaussterben © MMCD
http://www.scinexx.de/dossier-detail-43-4.html

Der Living Planet Index © WWF
 
Von den Tier- und Pflanzenarten, die einmal auf der Erde gelebt haben, hat kaum eine die gesamte Erdgeschichte hin­durch überlebt. 99,9 Prozent aller jemals entwickelten Arten sind ausgestorben. Die Paläontologen identifizieren bisher fünf große Massenaussterben in den letzten 600 Millionen Jahren, das katastrophalste vor rund 250 Millionen Jahren, bei dem 95 Prozent der Meeresbewohner und mehr als zwei Drittel aller landlebenden Arten ausgelöscht wurden. Bei dem letzten Massenaussterben vor 65 MillionenJahren verschwanden die Dinosaurier. Da gegenwärtig der Artenschwund in großem Maße andauert, reden manche Wissenschaftler bereits vom sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte.
In dem Vortrag von Heinz Zoller am 3. März 2016, dem internationalen Tag des Artenschutzes, ging dieser zunächst auf die großen Massenaussterben der Erdgeschichte ein. Sodann näherte er sich einer Antwort auf die spannende Frage zur heutigen Situation. Zunächst wurden Ergebnisse aus den Bestandsaufnahmen zu Natura 2000 (Europa) und aus nationa­len Roten Listen betrachtet. Aussagekräftiger sind jedoch die weltweiten Roten Listen, der Living Planet Index und neuere wissenschaftliche Untersuchungen, bei denen die tatsächliche Sterberate auf Basis von Daten der Weltnaturschutzunion (IUCN) mit der natürlichen Hintergrundsterberate verglichen wurde. Einige wenige positive Entwicklungen beim Artenschutz können nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen.
 
 
Premiere der "Stunde der Erde" (Earth Hour) in Rastatt
 

Das Historische Rathaus der Stadt im Dunkeln

Eine kleine Gruppe von Menschen mahnt mehr Klimaschutz an
 
Am 19. März 2016 gingen zwischen 20.30 und 21.30 Uhr am Rastatter Schloss, am Historischen Rathaus, an der Stadt­kirche St. Alexander, an der Pagodenburg, am Wasserturm und an der Schlossgalerie die Lichter aus. Die Stadt Rastatt beteiligte sich zum ersten Mal an der weltweiten Aktion der "WWF Earth Hour" (Stunde der Erde). In tausenden Städten rund um den Globus wird somit auf den Klimawandel aufmerksam gemacht und zum Handeln aufgefordert. Die Kinder­gruppe der NaturFreunde, die "Umweltdetektive" waren mit am Werk. Zunächst wurden Schablonen, die die FÖJler der Stadt Rastatt angefertigt hatten und die die Kontinente der Erde symbolisierten, ausgelegt. Dann wurden rundum hunderte Gläser mit Teelichtern platziert. Aus den restlichen Teelichtern wurde der Schriftzug "Earth Hour" gefertigt. Und dann wurden alle Teelichter angezündet und leuchteten in die Dunkelheit hinein.
 
 
Kleine Wanderung im Ried zum Durchlasswerk für den Wintersdorfer Altrhein
 

Verlandung des Wintersdorfer Altrheins

LIFE+-Projekt 2011-2015: Neues Durchlasswerk gebaut
 
Aufgrund von Regen wurde die geplante Radtour am 25. März 2016 (Karfreitag) zu einer kleinen Wanderung umfunktio­niert. Um der Gefahr der Verlandung entgegenzuwirken, wurde im Rahmen des LIFE+-Projekts "Rheinauen bei Rastatt" ein neues Durchlasswerk gebaut, das bereits bei Niedrigwasser sauerstoffreiches Wasser aus dem Rhein zuführt. Neben dem Durchlasswerk besuchte die Gruppe auch den nur wenige Meter entfernten Myriameterstein, welcher noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, als die Rheinkilometrierung von Basel aus gemessen wurde. Anschließend kehrte man in Wintersdorf im "Grünen Baum" zum traditionellen Backfischessen ein.
 
 
Waldwirtschaft im Klimawandel
 
Der Wald im Landkreis Rastatt erstreckt sich von der Rheinebene auf etwa 100 m Meereshöhe bis zu den Höhen des Schwarzwaldes auf etwa 1050 m Höhe (Hoher Ochsenkopf) und ist damit recht vielfältig. Die Laubwälder der Ebene gehen über in Mischwälder der Vorberg­zone; auf den Höhen dominiert der Nadelwald.
Doch der Klimawandel hat bereits heute Folgen für den Gesundheits­zustand und die Zusammensetzung unserer Wälder. Welche Auswir­kungen sind in unserem Wald bereits erkennbar? Welche sind in Zukunft zu erwarten? Gibt es Möglichkeiten, unsere Wälder auf die bevor­stehenden Klimaveränderungen vorzubereiten?
Diesen Fragen widmete sich Thomas Nissen, Leiter des Forstamtes im Landkreis Rastatt, in einem Vortrag am 20. April 2016 im Natur­freundehaus.
 
 
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung: Welche Aufgaben erwachsen daraus für die Kommune und die Zivilgesellschaft?
 


Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (deutsche Fassung)

Der Klimaschutzplan 2050 der deutschen Zivilgesellschaft (Quelle: Germanwatch)
Die Agenda 2030 wurde am 25. September 2015 auf dem UN-Gipfel in New York verabschiedet. Sie hat die Form eines "Weltzukunftsvertrags" und umfasst 17 Hauptziele mit 169 Unterzielen. Diese reichen von der Armuts- und Hungerbekämpfung über die Sicherung von Bildung, nach­haltiges Wirtschaften, den Umwelt-, Arten- und Klimaschutz, die Sicher­heits- und Friedenspolitik bis zur globalen Partnerschaft.
Die Umweltschule griff das Thema im Rahmen der europäischen und nationalen Nachhaltigkeitstage 2016 auf. Denn es gilt die Ziele nicht nur zu propagieren, sondern auch umzusetzen. Mit dem Klimaschutzplan 2050 der deutschen Zivilgesellschaft ist bereits auf diesem Feld eine Orientierung geschaffen. Vor Ort in Rastatt wird eine Konzeption für die nachhaltige Entwicklung der Rastatter Rheinauen angestrebt. Wichtig ist es, die Zukunft der Umweltschule als Bildungsstätte für Nachhaltige Entwicklung zu sichern.
 
 
Klimawandel und seine Auswirkungen in Afrika
 
Mamadou Mbodji, Vizepräsident der "Naturfreunde Internationale" und Präsident des "African Nature Friends Network", sprach am 4. Oktober 2016 im Naturfreundehaus Rastatt über den "Klimawandel und seine Folgen für die Länder Afrikas". Der Referent ging dabei auf die Ur­sachen von Flucht in afrikanischen Ländern und die Zusammenhänge mit dem Klimawandel ein. Der afrikanische Kontinent trage lediglich vier Prozent zur Erderwärmung bei - jedoch 95 Prozent seiner Folgen. Etwa die Hälfte der afrikanischen Einkommen stammt aus der Land­wirtschaft; weitere nennenswerte Anteile stellen Fischfang und Touris­mus. Alle drei Bereiche sind jedoch durch den Klimawandel bedroht. Mamadou Mbodji verharrte jedoch keineswegs in Pessimusmus, sondern ging auf den Wandel in vielen afrikanischen Staaten ein und stellte konkrete nachhaltige Projekte vor.
Ankündigung des Vortrags
 
 
Dr. Gregory Egger (WWF-Auen-Institut): "Die Rastatter Rheinaue in Vergangenheit und Zukunft"
 

    Naturschutzgebiet Rastatter Rheinaue: Entwicklung der Landschaft



Auf dem Gänsrhein in den Rastatter Rheinauen
 
Am 12. Oktober referierte Dr. Gregory Egger, bis Anfang September interimistischer Leiter des WWF-Auen-Instituts, über aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen des Instituts zur Vergangenheit und Zukunft der Rastatter Rheinaue. Dabei ging es vor allem um Auswertungen der historischen Entwicklung von Vegetation und Lebensräumen sowie um Modell­untersuchungen zu zukünftigen Entwicklungen unter den Bedingungen des Klimawandels.
Im Jahr 1816 war der morphologische Zustand der Rheinauen noch ursprünglich. Dann kam 1852 die Rheinkorrektion von Tulla. Seit 1872 ist der Zustand wie eingefroren; lediglich Baggerseen kamen hinzu. Heute fehlt die Dynamik des Stroms; das System ist starr. Die natürlichen Habitate bzw. Prozesse gingen zurück, die menschlichen Habitate bzw. Prozesse nahmen zu. Angesichts des Klimawandels wird neben längeren Trockenphasen mit längeren und höheren Überflutungen gerechnet. Doch das wirkt sich auf die Vegetation weniger aus, da die Vegetation in der Rastatter Rheinaue schon jetzt an Überflutungen angepasst ist. Der Referent ging anschließend noch auf Renaturierungsmaßnahmen an der Donau ein. Wünschenswert wären auch in der Rastatter Rheinaue ähnliche Maßnahmen.
 
 
Dr. Christian Damm (WWF-Auen-Institut): "Die Rastatter Rheinaue: Paradies auf Zeit?"
 

Aalschokker Heini im Wintersdorfer Altrhein

Naturschutzgebiet Rastatter Rheinaue: Entwicklung der Vegetation
 
Am 25. Oktober luden die NaturFreunde Rastatt und das WWF-Auen-Institut zu einem Vortrag von Dr. Christian Damm vom WWF-Auen-Institut ein. Das Thema war: "Die Rastatter Rheinaue: Paradies auf Zeit?". Das Interesse war groß und der Saal im Naturfreundehaus gut besetzt. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass man zwar die Rastatter Rheinauen als "Paradies", "Urwald" oder "Dschungel" wahrnimmt oder zumindest damit in Verbindung bringt, aber doch die leise Ahnung hat, dass hier Prozesse ablaufen, die dem entgegenwirken.
Der Referent zeigte anhand von Karten die Entwicklung der Lebensräume in der Rastatter Rheinaue von nahezu unbe­einträchtigter Auenlandschaft 1816 bis zum Jahr 2015 auf. Deutlich wurde der nahezu vollständige Verlust der dynami­schen Kies- und Sandbänke, der jungen Weichholzauen und die starke Veränderlichkeit einer Flusslandschaft im Gleich­gewicht von Entstehen und Vergehen. Schon bald nach der Rheinkorrektion kommt die Landschaftsentwicklung fast zum Stillstand. Dauerwald dominiert, viele Lebensräume verschwanden und große Baggerseen verdrängen weitere Teile der Aue.
Christian Damm benannte zwei Prozesse, die die Auen weiterhin gefährden: Zum einen die andauernde Eintiefung des Flusses, der nach der Staustufe Iffezheim nur mittels der Geschiebezugabe auf einem weitgehend konstanten Niveau gehalten werden kann. Zum anderen die Auflandung der Auen durch Sedimente, die das Hochwasser mitbringt. Es findet eine Entkopplung von Fluss und Aue, die letztere austrocknen lässt statt. Diese Prozesse bewirken wiederum, dass heimische Arten, z.B. die Wassernuss, verschwinden und neue Arten einwandern (z.B. die Wasserpest).
Im Fazit fasste Dr. Damm zusammen, dass die Rheinauen sicher ein ästhetisches Paradies seien, dies aber nicht darüber hinweg täuschen dürfe, dass die aufgezeigten Veränderungen die Auenlandschaft immer weiter entwerten. Diese Prozesse könnten nur aufgehalten oder gar ein Stück umgekehrt werden, wenn der Rastatter Rheinaue erheblich mehr Wasser zugeführt wird. Mit dem Einlassbauwerk zum Wintersdorfer Altrhein ist beim letzten LIFE+-Projekt ein Anfang gemacht worden.
Aber auch auf die großen Chancen zur Verbesserung der Rastatter Rheinaue verwies der Referent: Als Naturschutzgebiet am frei fließenden Rhein, mit einer sehr guten Wasserqualität und "im Prinzip genug Wasser"; das seien beste Voraus­setzungen für die Renaturierung der Auenlandschaft. Zudem suche derzeit auch die Bundeswasserstraßenverwaltung nach Möglichkeiten, die Natur an der Wasserstraße zu fördern. Politik und Verwaltung, Naturschutzverbände und Bevölkerung sind gefordert aktiv zu werden - will man die Rastatter Rheinaue erhalten und nachhaltig entwickeln. Dies war auch der Tenor der anschließenden regen Diskussion im Publikum.
 
 
Prof. Dr. Emil Dister (WWF-Auen-Institut): "Auen in Deutschland: Anspruch und Wirklichkeit"
 

Verlust an Überschwemmungsfläche und Auenzustand (BfN)

Auf dem "Kanuwanderweg" durch die Rastatter Rheinauen
 
Am 9. November 2016 folgte der dritte Vortrag in der Reihe mit Referenten des WWF-Auen-Instituts. Prof. Dr. Emil Dister, der fast 30 Jahre das Auen-Institut von seiner Gründung 1985 bis zum Jahr 2014 geleitet hatte, weitete den Blick über die Rastatter Rheinauen hinaus auf die Auen in Deutschland insgesamt. Er hatte auch an dem ersten Auenzustandsbericht, den das Bundesamt für Naturschutz im Jahr 2009 zur Situation der Auen in Deutschland veröffentlichte, mitgewirkt. Hierzu wurden die Auen von 79 Flüssen untersucht und bewertet. Demnach wurden weniger als 1 Prozent als "sehr gering verändert" und 9 Prozent als "gering verändert" eingestuft. 36 Prozent werden als "deutlich verändert", aber noch mit dem ökologischen Potenzial für eine naturnahe Entwicklung gewertet. 54 Prozent gelten als "stark verändert" und "sehr stark verändert".
Prof. Dister benannte zwei für die Entwicklung nachteilige Prozesse: Zum einen erfolgt durch Sedimentation in den ufer­nahen Bereichen eine Aufhebung des Bodens. Zum anderen bewirkt die Erosion eine Eintiefung der Flusssohle, was wiederum Auswirkungen auf den Grundwasserstand hat. Er präsentierte eine Grafik mit entsprechenden Daten für den Oberrhein.
Die Anzahl der Hochwasser hat zugenommen. Wie eine Reihe von Werten am Plittersdorfer Pegel belegte, erfolgten die meisten Extremhochwasser nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dann benannte der Referent Interessensgruppen und Umstände, die einer morphologischen Änderung und Renaturierung entgegenstehen. Die Bewirtschaftung der Wasserstraße ist immer noch nahezu ausschließlich an den Erfordernissen des Schiffsverkehrs ausgerichtet und berücksichtigt ökologische Erfordernisse so gut wie gar nicht. Hinzu kommen unterschied­lichen Zuständigkeiten bei der Wasserstraßenverwaltung. Beim "Integrierten Rheinprogramm" (IRP) wurden und werden die Möglichkeiten von natürlichen Retentionsräumen nicht genutzt. In der Forstwirtschaft priorisiert man Hybridpappelbe­stände, zuweilen sogar unterwuchsfrei. Der Kies- und Sandabbau zerstört Auenflächen und hinterlässt mehr oder weniger biologisch tote Baggerseen. Die Landwirtschaft treibt den Maisanbau bis in Schilfgebiete voran. Oder Baugebiete werden manchmal in früheren Feuchtgebieten ausgewiesen. Ja, selbst der Naturschutz wird mitunter zum Hemmnis, wenn er sich ausschließlich als "konservierender" Naturschutz versteht und nicht offen ist für die standortsgemäßen dynamischen Pro­zesse. Und dann kommt auch noch ein chronischer Personalmangel bei den Naturschutzbehörden dazu.
In einer "Stimmungsanalyse" fasste Prof. Dister zusammen: Die Wassergüte ist abgesehen von zunehmenden Mikroschad­stoffen respektabel geworden. Das Wasserabflussregime wird zunehmend problematisch. Die Struktur ist miserabel. Die Auen sind meist reliktär und nicht mehr funktionsfähig. Die Biodiversität ist stark eingeschränkt. Und bei der Renaturierung gibt es nur zaghafte Ansätze.
Dringend notwendig ist eine Erhöhung der Strukturvielfalt. Positive Ansätze gibt es am Deltarhein in Holland. Vielfach fehlt bei uns jedoch der politische Willen. Das muss sich ändern!
 
 
Zusammenfassender Bericht über die drei Veranstaltungen zu den Rastatter Rheinauen:
Mehr Strukturvielfalt in den Auen! Mehr Wasser in die Auen!
 
 
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