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Die Gedenkstätte für die standrechtlich Erschossenen
 
Denkmal       Inschrift
 
Zirka 5.000 Freiheitskämpfer hatten sich letztlich in der Rastatter Festung verschanzt. Nach dreiwöchiger Belagerung durch preußische Truppen kapitulierten sie schließlich am 23. Juli 1849; sie wurden in die Rastatter Kasematten eingesperrt.
 
Bereits am 27. Juli wurden auf Drängen des preußischen Militärs in Mannheim, Freiburg und Rastatt Standgerichte einge­richtet. Hauptankläger waren preußische Militärs; das badische Kriegsministerium hatte ein förmliches Genehmigungs- und Revisionsrecht. Die Standgerichte fungierten bis zum 27. Oktober 1849. Innerhalb dieser Zeit fällten sie 28 Todesurteile (19 in Rastatt, 6 in Mannheim und 3 in Freiburg) sowie 62 Urteile mit hoher Zuchthausstrafe. Zusätzlich gab es vier Todesurteile, die jedoch nicht vollstreckt wurden. Darunter war der Rastatter Parlamentär Otto von Corvin, dem der preußische General von der Gröben bei den Übergabeverhandlungen entsprechende Zusage gemacht hatte.
 
In Rastatt tagte das Standgericht im Ahnensaal des Rastatter Schlosses. Das Rastatter Standgericht sprach 26 Zuchthaus­strafen und 21 Todesurteile aus, wovon 19 vollstreckt wurden. Die Verurteilten wurden im trockenen Festungsgraben beim heutigen Hasenwäldchen erschossen und ohne Sarg und Namenstafel auf dem nahegelegenen alten Friedhof von Rastatt verscharrt. Keine Erinnerung an sie sollte bleiben.
 
Alles Bemühen, den Toten ihre Würde zurückzugeben, scheiterte zunächst. Erst 1874 wurden die Ruhestätten der einzelnen Erschossenen ausgemacht und immerhin mit Blechschildern, auf denen Name und Todestag vermerkt waren, versehen. Das bereits gefertigte Grabdenkmal in Form eines 6,5 m hohen Obelisken aus blaurotem Sandstein durfte nicht errichtet werden; es diente letztlich als Grimmelshausen-Denkmal in Renchen.
 
In Reaktion auf eine Initiative kam 1893/94 Bewegung in die Angelegenheit, wie ein Schriftstück von 1894 zeigt. Der Gemeinderat genehmigte, dass die sterblichen Überreste in einem Sammelgrab untergebracht und dass ein Grabmal errichtet werden dürfe; jede politische Kundgebung habe jedoch zu unterbleiben. Auch das großherzogliche Ministerium des Innern genehmigte 1895 die Errichtung eines gemeinsamen Grabsteins, der nur Namen und Todestag tragen dürfe.
 
Am 24. April 1895 wurden die Überreste der Erschossenen in ein gemeinsames Grab umgebettet. Der Gedenkstein aus Granit wurde erst in späteren Jahren ohne Feierlichkeit aufgestellt. Der Schlusspassus wurde 1919 hinzugefügt. 1947 wurde der Gedenkstein von seinem bisherigen Ort etwa 30 Meter an seinen heutigen Standort versetzt. Die vorgefundenen Über­reste wurden in einer Urne unmittelbar vor dem Stein in die Erde versenkt. Zuständig für Erhalt und Pflege der Grab- und Gedächtnisstätte ist heute der Landkreis Rastatt.
 
 
Inschrift auf dem Gedenkstein
 
Ruhestätte
 
der im Jahre 1849 in Rastatt standrechtlich erschossenen Freiheitskämpfer
 
Am 7. August: ELSENHANS ERNST, Literat von Feuerbach
Am 8. August: v. BIEDENFELD ERNST, Major von Bühl
Am 11. August: HEILIG KONRAD, Art. Wachtmeister von Pfullendorf
  TIEDEMANN GUSTAV, N.-Offizier von Landshut
Am 17. August: BÖHNING GEORG, Offizier von Wiesbaden
Am 25. August: LENZINGER KONRAD, Corporal d. Art. Von Dunlheim
  EMNIEWSKY THEOPH., pol. Offizier von Wodzierady
  ZENTHOFER PHILIPP, Soldat von Mannheim
Am 3. September: JACOBI KARL, Schreiner von Mannheim
Am 12. September: SCHADE LUDWIG, P. Soldat von Karlsruhe
Am 15. September: COUNIS ANDREAS, Dragoner von Pforzheim
Am 22. September: GÜNTHARD JOSEF, Soldat von Konstanz
  JÄGER PETER, Soldat von Assamstadt
Am 4. Oktober: BAUER Gottfried, Pionier von Gissigheim
Am 8. Oktober: KILMARX JOSEF, Feldwebel von Rastatt
  KOHLENBECKER LUDWIG, Soldat von Karlsruhe
Am 20. Oktober: BERNIGAU KARL, fr. Leutnant von Mühlhausen
  JANSEN JOSEF, Geometer von Kökln a. Rh
  SCHRADER FRIEDR. WILHELM, pr. Art. von Mansfeld
 
Den Opfern des Unverstandes und der Willkür
Den Kämpfern für Freiheit und Recht
Den Toten die Lebenden
 
Gewidmet 1899 von Sozialdemokraten und
Demokraten aus Deutschland und Amerika
 
 
Links und Literatur
 
• Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte
• Hermann Kraemer: Das Denkmal für die standrechtlich Erschossenen, Heimatbuch des Landkreises Rastatt 1/74, S. 143-148
 
 
   
 
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