Rheinauen im Rauhreif
     NaturFreunde Rastatt Portal Rhein Nebengewässer Auen Schutzgebiete Fauna & Flora Nachhaltigkeit Weiteres Kontakt

 
Typen und Arten in D u. BW
Lebensraumtypen (FFH I)
Arten (FFH Anhang II)
Arten (FFH Anhang IV)
Vogelarten (SPA)
---------------------------------
Europäische Wildrebe
Orchideen der Rheinauen
Faszination Vogelzug
Schmetterlinge
Libellen
Käfer
Zweiflügler (Fliegen⁄Mücken)
Invasive gebietsfremde Arten

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Faszination Vogelzug in den Rheinauen
 
Graugänse bei der Rast am Großen Bärensee (Oktober 2013)

Graugänse (im Hintergrund) bei der Rast am Großen Bärensee (Oktober 2013)
 
Graugänse bei der Rast am Wörtfeldsee (Oktober 2013)

Graugänse bei der Rast am Wörtfeldsee (Oktober 2013)
 
Zahlreiche Brutvögel der Rheinauen verlassen diese nach dem Sommer still und unauffällig. Allenfalls das Sammeln der Störche fällt auf. Doch im Herbst bieten die Rheinauen ein einzigartiges Schauspiel, dann wenn hunderte oder tausende Durchzügler auf dem Weg in den Süden hier Rast machen.
 
Standvögel
Manche Vogelarten verbringen das gesamte Jahr hier in den Rheinauen. Sie sind meist sehr standorttreu. Zu ihnen gehören der Zaunkönig, der Bunt-, der Grün- und der Schwarzspecht, der Graureiher.
In unserer Region zählt ferner der Haubentaucher hinzu; die östlichen Populationen Mitteleuropas sind hingegen Zugvögel. Ebenso verhält sich der Eisvogel, ein Charaktervogel der Rheinauen. Das hat bei ihm allerdings zur Folge, dass harte Winter mit langen Kälteperioden zu Bestandseinbrüchen führen, die er aber durch mehr Bruten wieder auszugleichen versucht.
 


Eisvogel (Foto Rainer Deible)


Haubentaucher (Foto Rainer Deible)


Schwarzspecht (Foto Heinz Zoller)
 
Zugvögel
Ein Zugvogel legt zwischen seinem Sommer- und seinem Winterquartier mehr oder minder lange Strecken zurück. Zu ihnen gehören Weißstorch, Pirol, Kuckuck, Teichrohrsänger, Bachstelzen, Zilpzalp.
 


Weißstorch (Foto Rainer Deible)
   
 
Standvögel und Zugvögel sind die beiden Pole. Dazwischen gibt es verschiedene Variationen und Ausprägungen.
 
Strichzieher
Sie verlassen im Spätjahr oder in einem kalten Winter ihre Brutgebiete, ziehen aber nicht nach Süden, sondern bleiben in unseren Breiten und suchen einen anderen Landstrich auf. Zu ihnen kann man den Buchfink und die Goldammer zählen.
 
Teilzieher
Dann gibt es Vogelarten, die nicht in ihrer Gesamtheit aus den sommerlichen Brutgebieten nach Süden wegziehen bzw. deren Populationen über ganz Mitteleuropa gesehen ein unterschiedliches Verhalten aufweisen. Das ist die Mehrheit: "Etwa 60 Prozent der rund 400 Brutvogelarten, die in Europa heimisch sind, gehören zu den Teilziehern." Bekannte Beispiele sind die Amsel, der Star, das Rotkehlchen, der Kormoran.
Auch bei den Rallen variiert das Verhalten je nach geografischer Lage. So ist die Blässralle (Blässhuhn) in Mitteleuropa ein Stand-, Strich- und Zugvogel. Ähnlich verhält sich die Teichralle (Teichhuhn), deren Bestand in den Rheinauen in den letzten Jahren allerdings zurückgeht. Auch die kleinere und sehr scheue Wasserralle ist in Mitteleuropa ein Stand-, Strich- und Zugvogel.
 
Kurz- und Mittelstreckenzieher
Zu den Kurzstreckenziehern mag man jene Vogelarten zählen, deren Winterquartiere nur maximal 2000 Kilometer entfernt von ihren Brutgebieten liegen. Die Zielgebiete liegen häufig in mediterranen Zonen.
In West- und Mitteleuropa ist zum Beispiel die Mönchsgrasmücke ein Kurz- und Mittelstreckenzieher.
 
Langstreckenzieher
Unter Langstreckenzieher kann man jene Vogelarten verstehen, deren Überwinterungsgebiete in der Regel mehr als 4000 Kilometer von ihren Brutgebieten entfernt liegen. Die Winterquartiere der meisten mitteleuropäischen Langstreckenzieher liegen südlich der Sahara, bei manchen Arten sogar im südlichen Afrika. Fast alle Langstreckenzieher fliegen bei Nacht.
Der Pirol, ebenfalls ein Chraktervogel der Rheinauen, verlässt im August seine sommerlichen Brutgebiete. Pirole überqueren die Alpen und die Sahara auf breiter Front. Sie überwintern vor allem in den Hochländern und Waldgebieten des östlichen und südlichen Afrikas. Die Flussseeschwalbe, die unter anderem am Wörtfeldsee brütet, ist ebenfalls ein Langstreckenzieher. Sie überwintert vorrangig an der Westküste Afrikas. Auch der Teichrohrsänger ist ein Langstreckenzieher. Sein Winterquartier bezieht er südlich der Sahara in Afrika. Ein weiterer Langstreckenzieher ist die Nachtigall.
 
Überfliegende Langstreckenzieher
Dann gibt es Langstreckenzieher, die in unserer Breite bereits einen langen Weg hinter sich haben und ohne Rast unsere Region überfliegen.
Vertreter dieser Sorte sind die Kraniche. Ihre Brutgebiete liegen im Nordosten Europas und im Norden Asiens. Kraniche haben mehrere Zugwege nach Süden. Bemerkbar machen sie sich oftmals durch trompetenartige Rufe, im Gegensatz zu den Wildgänsen, die häufig schnattern. Kraniche sind auch größer als Wildgänse, haben lange Beine, die im Flug über die Schwanzfedern hinausragen. Kraniche können sogar bis zu 2000 Kilometer ohne Unterbrechung fliegen. Meistens fliegen sie bei Nacht.
 
Durchzügler mit Rast in den Rheinauen
Zu den Durchzüglern, die in den Rheinauen auch mal eine Rast einlegen, gehören die Graugänse. Graugänse gehören zu den häufigsten Wasservögeln in Europa. Ihr Brutgebiet ist Nord- und Osteuropa. Ihre Überwinterungsgebiete liegen an der Westküste der iberischen Halbinsel oder an den Nordküsten von Algerien und Tunesien. Jedoch ist bei ihnen auch eine Tendenz zu beobachten, dass sie immer weiter im Norden überwintern.
 
Wintergäste in den Rheinauen
Ein seltener, aber doch hie und da zu beobachtender Wintergast in den Rastatter Rheinauen ist der Gänsesäger. Seine Brutgebiete befinden sich in Nordeuropa, sowie in Nordasien und Nordamerika. Zu den Wintergästen zählen auch die in der osteuropäischen und sibirischen Taiga beheimateten Singschwäne, die man im Gegensatz zu den verbreiteten Höcker­schwänen an der keilförmigen Kopfform, dem gelben Schnabel mit der schwarzen Spitze sowie dem gestreckten Hals erkennen kann. In zunehmendem Maße wird in den Rheinauen der Silberreiher beobachtet. Er schickt sich an, hier ganzjährig eine Bleibe zu finden.
 


Gänsesäger (Foto Rainer Deible)


Silberreiher (Foto Heinz Zoller)
 
 
 
Gründe für den Vogelzug
Ob ein Vogel aus seinem Brutgebiet wegzieht, ist in ihm genetisch angelegt. Der Zeitpunkt, da die Flugunruhe einsetzt, ja sogar Flugrichtung und Flugdauer sind wohl bestimmt. Dabei spielen die jahreszeitlich unterschiedlichen Nahrungsangebote in den Brutgebieten eine Rolle. Evolutionäre Anpassungen können zu einer Veränderung des Zugverhaltens führen. Auch der Klimawandel beeinflusst wohl das Verhalten.
 
Flugformation
Der Start eines Trupps wirkt meist chaotisch. Doch schnell findet man sich zu der kräftesparenden Keil-Formation. Der Luftwiderstand trifft in hohem Maße nur den vorderen Vogel. Die Vögel wechseln sich ab.

Dann gibt es die Segelflieger, die warme Aufwinde nutzen und sich in die Höhe schrauben, bevor sie über lange Strecken gleiten. Bekannt hierfür ist der Weißstorch.
Keilformation

Graugänse über dem Wörtfeldsee
Navigation
Für den Menschen beeindruckend ist das Navigations- und Orientierungsvermögen der Vögel. Dieses gibt den Forschern noch viele Rätsel auf. Tagziehende Arten haben eine Art "Sonnenkompass", der dank ihrer Fähigkeit, UV-Licht wahrzunehmen, auch bei bedecktem Himmel funktioniert. Nachtziehende Arten orientieren sich wohl an der Position der Sterne ("Sternenkompass"). Dann wurde nachgewiesen, dass manche Vögel eine Art "Magnetkompass" besitzen, mit dem sie das Magnetfeld der Erde wahrnehmen können. Geografische Gegebenheiten wie z.B. der Oberrheingraben spielen sicherlich auch eine Rolle. Es bleibt ein Wunder, wie Vögel Jahr für Jahr ihren persönlichen Schlafbaum im Winterquartier oder ihren Nistplatz in den Brutgebieten finden, etwa Störche, die alljährlich auf demselben Horst nisten.
 
Gefahren
Auf dem Weg von den sommerlichen Brutgebieten in die Überwinterungsgebiete lauern vielerlei Gefahren, die Wege sind lang und beschwerlich. "Von den zwei Milliarden Vögeln, die zum Beispiel die Sahara überqueren, sterben etwa 80 Millionen, bevor sie ihr Ziel erreichen." (Planet Wissen)
Zwar ist in vielen Ländern die Vogeljagd verboten, und trotzdem werden massenhaft Vögel abgeschossen. Oder viele Millionen Vögel landen in den Fangnetzten, die sich auf mehr als 700 Kilometer entlang der ägyptischen Mittelmeerküste hinziehen.
Doch auch in unseren mitteleuropäischen Breiten wird der Vogelzug erschwert, zum Beispiel durch Lichtverschmutzung vor allem über Großstädten oder durch Einschränkung von Rastmöglichkeiten.
 
Vogelschutz
Umso wichtiger ist es, dass wir die Absichten und Ziele der Schutzgebiete ernst nehmen. Die Rastatter Rheinaue ist Teil des Vogelschutzgebiets "Rheinniederung von der Rench- bis zur Murgmündung" und damit Teil des Natura 2000-Gebiets "Rheinnierderung zwischen Wintersdorf und Karlsruhe". Sie gehört zugleich zu dem international geschützten Feuchtgebiet "Deutsch-französisches Ramsar-Gebiet Oberrhein / Rhin supérieur".
 
 
   
 
Kontakt    Impressum    Datenschutzerklärung