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Der Rhein als Grenze
 
Einst siedelten die Kelten am Rhein. Dann eroberte Caesar im Gallischen Krieg die Gebiete westlich des Rheins; der Rhein wurde von den Römern als Grenze zwischen "Zivilisation" und "Barbarei" betrachtet. Nachdem der Versuch scheiterte, die Grenze des Römischen Reichs an die Elbe zu verschieben, wurden Rhein, Limes und Donau als Grenze ausgebaut.

Im Jahre 260 n. Chr. überschritten dann die Alemannen den Limes. Die Alemannen wollten auch linksrheinisches Gebiet erobern. Sie wurden jedoch im Jahr 357 n. Chr. von den Römern bei Strasbourg geschlagen. 496 n. Chr. wurden die Alemannen auch bei Zülpich unweit Bonns von dem Frankenkönig Chlodwig geschlagen. Während der Völkerwanderung waren die Franken bis an den Rhein vorgerückt.

Vom 7. bis zum 9. Jahrhundert siedelten sich die Franken, zunächst die Merowinger und dann die Karolinger, am Oberrhein an. Im frühen Mittelalter wurden in der Rheinebene zahlreiche Klöster und Dörfer gegründet. Karl der Große begründete im Jahr 800 das Römische Kaisertum und Reich neu. 843 erfolgte die Teilung des Frankenreichs in das westfränkische, das ostfränkische und das "Lotharii Regnum". Das Mittelreich Lothars I. mit Lothringen, Elsass und Burgund sollte dabei für über tausend Jahre zwischen den beiden Reichen strittig bleiben.

Im 17. Jahrhundert stieß die Königsmacht Frankreich zum Rhein vor. Bereits im Westfälischen Frieden von 1648, welcher dem Dreißigjährigen Krieg folgte, wurde der Rhein zur natürlichen Grenze zwischen dem Heilig-Römischen Reich und dem Königreich Frankreich erklärt. Maßgebend für die Staatsgrenze war der "Talweg". Der Talweg ist als "Verbindungslinie der tiefsten Punkte aller Querprofile in der Längsrichtung eines Flusses, Bachs, Kanals oder Tals" definiert.

Auf dem Rastatter Kongress (1797-1799) wurde der Rhein zur durchgehenden Hoheitsgrenze zwischen Frankreich und seinen östlichen Nachbarn erklärt. Der Friede von Lunéville 1801 legte den Talweg als Hoheitsgrenze beider Staaten fest. Durch den Frieden von Lunéville wurde das ganze linke Rheinufer von Basel bis zur holländischen Grenze französisch.
 
Vor und nach der Rheinkorrektion (1817-1886)
 
Vor der Rheinkorrektion verlagerte der Hauptstrom des Rheins samt seinen Nebengerinnen immer wieder den Lauf. Alte Inseln verschwanden, neue entstanden und mit ihnen der Streit um ihr Eigentum und ihre Nutzung.

Der Grenzvertrag von 1840 zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Frankreich erfolgte in Vorbereitung der Rheinkorrektion. In dem Grenzvertrag heißt es: "Die Grenze zwischen Frankreich und dem Großherzogthum Baden besteht aus zweierlei Grenzlinien: die eine ist bestimmt […] die Hoheitsrechte beider Staaten zu scheiden, und wird durch den Talweg des Rheins bezeichnet; die andere hat den Zweck, […] die Eigen¬tumsrechte über die Inseln und Verlandungen des Rheins zu scheiden, und ist durch eine Reihe zusammenhängender, in ihrer Lage unveränderlicher Linien gebildet."

Nach der Rheinkorrektion waren viele Gemarkungen entlang des Rheins zerschnitten. Die Gemeinde Söllingen hatte linksrheinisch den "Baragegrund", Neuhäusel rechtsrheinisch den "Jägerkopf". Iffezheim besaß linksrheinisch Wiesen und Wasser. Der "Bohnenmichel", ein Wiesengelände südlich des Fahrecks (heute Staustufe) gehörte einst zur elsässischen Gemeinde "Calabrien" südlich der Bahnstrecke, welche wegen Hochwasser aufgeben wurde (später Beinheim). Beinheim besaß zudem ein Teilstück rechtsrheinisch auf dem Gewann "Am Schafkopf". Andererseits gehörten die "Aspenköpfe" linksrheinisch zu Wintersdorf, ebenso Wiesen, Ackerland und Wald bei Seltz - man beachte, dass 1588 die Gemarkung der untergegangen Ortschaft Dunhausen mit der Gemarkung Wintersdorf vereint wurde. Die Gemeinde Plittersdorf hatte linksrheinisch Wiesen und Wald. Die Gemeinde Seltz ihrerseits besaß das "Binsenfeld". Auf Plittersdorfer Gemarkung lagen Grundstücke der französischen Gemeinde Munchhausen, ebenso auf Steinmauerner Gemarkung. Ähnlich verhielt es sich in Illingen: Hier besaß die Gemeinde Mothern Wald, Ackergelände und Wasser. Zu Lauterbourg gehörte das "Auer Köpfle" und der "Kohlkopf".

1870 ⁄1871 folgte der Deutsch-Französische Krieg. Elsass-Lothringen wurde 1873 als "Reichsland" dem Bundesgebiet einverleibt. Später kam dann der Erste Weltkrieg (1914-1918).
 
Der Versailler Vertrag 1919 und der deutsch-französische Grenzvertrag von 1925 ⁄ 1927
 
Der Versailler Vertrag von 1919 und der ihn konkretisierende deutsch-französische Grenzvertrag von 1925 ⁄ 1927 brachten einschneidende Veränderungen. Frankreich zog die auf dem linken Rheinufer gelegenen Gebiete badischer Gemeinden ein. Die Liegenschaften und Nutzungsrechte der elsässischen Gemeinden auf dem rechten Rheinufer blieben jedoch als Privat­eigentum erhalten. Fünf französische Gemeinden besaßen danach noch Grundeigentum auf der rechten Rheinseite, nämlich Blodelsheim bei Staufen, Rhinau bei Ettenheim sowie Beinheim, Münchhausen und Mothern. Der deutsche Staat wollte den französischen Gemeinden das Land abkaufen, um damit deutsche Gemeinden für den Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete zu entschädigen. Zwei der fünf Gemeinden waren zum Austausch oder Verkauf ihrer Gebiete bereit: Blodelsheim und Bein­heim. Mothern und Münchhausen behielten ihr Gelände als privates Eigentum. Deshalb musste 1984 bei der Ausweisung des Naturschutzgebiets "Rastatter Rheinaue" neben der Naturschutzgebietsverordnung auch ein Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Gemeinde Munchhausen unterzeichnet werden. Der Grundbesitz der Gemeinde Rhinau aber sollte "niemals und in keiner Form der Gemarkung einer badischen Gemeinde einverleibt" werden. Das gemeindefreie Gebiet ist heute Teil des Naturschutzgebiets "Taubergießen".
 
Der Staatsvertrag von 2004
 
Mit einem Staatsvertrag von 2004 wurde der Verlauf der gemeinsamen Grenze auf den durch Tulla ausgebauten Strecken des Rheins zwischen Deutschland und Frankreich nochmals festgelegt. In dieser zwischenstaatlichen Vereinbarung wurde auch bestimmt, dass die Grenze auf und in den begehbaren Bauwerken durch das Anbringen von festen Marken sowie durch einen Farbstreifen gekennzeichnet werden soll. Die Marke besteht aus einer Edelstahltafel mit einer stilisierten Grenzlinie und den eingravierten Buchstaben "D" und "F". [Gravierte Linie deutet Staatsgrenze an, BT 08.08.2011]

Der Oberrhein war über Jahrhunderte hinweg eine kriegerische Grenze. Umso glücklicher sind die Bewohner am Rhein heute, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs an der Grenze Frieden herrscht. Ja, es ist in der Europäischen Union sogar üblich geworden, die Grenze ohne Grenzkontrolle passieren zu können.
 
Links und Literatur
 
• Irmgard Stamm: Leben an der Grenze, Stadtgeschichtliche Reihe, Band 3, 1997
 
 
   
 
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