Rheinauen im Rauhreif
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Die Rheinkorrektion bzw. Rheinbegradigung unter Tulla
 
Die Rheinkorrektion (1817 - 1876)
 
Die Initiative für die Rheinkorrektion ging von Baden aus. Das Einverständnis und die Mitarbeit der linksrheinischen Nachbarn musste erst erzielt werden. Dem badischen Oberrhein von Basel bis nördlich von Mannheim entsprachen linksrheinisch der badisch-französische (ab 1871 badisch-elsässische) Abschnitt von Hüningen bei Basel bis Lauterburg und anschließend der badisch-bayerische Abschnitt von Lauterburg bis nördlich von Mannheim. Zwischen Baden und Bayern wurde eine erste Vereinbarung 1817 erreicht. Mit Frankreich konnte erst 1840 ein Vertrag abgeschlossen werden. Danach folgten auch hier Bautätigkeiten ohne Unterbrechungen bis 1876.
 
Tullas Plan
 
Tullas Pläne zielten auf eine Tieferlegung des Strombettes ab. Der Hauptstrom sollte, zwischen zwei Ufern und Schutz­deichen eingefasst, stärker erodieren und sich selbst tiefer eingraben. Dadurch sollte der Grundwasserspiegel abgesenkt und das Gelände entsumpft und trockengelegt werden. Tulla wird die Devise zugeschrieben: "Kein Strom oder Fluß hat mehr als ein Flußbett nötig".
In der Mäanderzone, wo fast überall schon ein Hauptstrom bestand, wurden die ausgreifenden Schlingen an ihren eng­sten Stellen durchstochen. Zuvor wurde ein Leitkanal ausgegraben. Danach wurden die Ufer mit Faschinen und Steinen befestigt und Deiche gebaut.
In der Furkationszone hingegen war ein allmähliches Zurückdrängen der verschiedenen Stromarme in ein einziges Hauptbett erforderlich.
 
Mäanderzone ⁄ Bayerischer Abschnitt
 
Von der Lautermündung ab nach Norden wurden insgesamt 18 Durchstiche vollzogen. Bayern führte 8 und Baden 10 Durchstiche aus.
 
Knielingen und Eggenstein: Widerstand und Jubel
 
Knielingen war die erste Gemeinde, bei der - zum Schutze der gegenüberliegenden Gemeinde Wörth - Baumaßnahmen getroffen werden sollten. Die Bevölkerung befürchtete die Verlegung des Rheinbettes auf ihre Gemarkung und die daraus entstehenden Geländeverluste und Kosten. Der Widerstand währte seit 1812 und eskalierte im September 1817. Als Eggensteiner Männer mit den Baumaßnahmen beginnen wollten, wurden sie mit Gewalt vertrieben. Daraufhin zog in Knielingen eine Infanterieabteilung mit 24 Mann ein, um die Arbeiten abzusichern.
Ein anderes Bild bot Eggenstein. Der Rhein floß vor der Korrektion nur wenige hundert Meter am Ort vorbei und drohte das Hochgestade, auf dem der Ort lag, zu unterspülen. Die Eggensteiner Bevölkerung versprach sich durch eine Verlegung des Rheinbettes mehr Sicherheit und einen Gewinn landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Auch anderorts richtete sich Akzeptanz oder Ablehnung nach der jeweils vorhandenen Interessenslage. Der Daxlandener Durchstich dauerte von 1817 bis 1821.
 
Einsprache der rheinabwärtsliegenden Uferstaaten
 
Am Unterlauf des Rheins fürchtete man negative Auswirkungen der Rheinkorrektion. Im Dezember 1626 erhob Preußen Einsprache am badischen Hof in Karlsruhe und bei der bayerischen Regierung. Die Niederlande schloss sich 1829 und Hessen 1832 diesem Einspruch an. Der Protest bewirkte eine Bauverzögerung bis 1834.
 
Furkationszone ⁄ Französischer Abschnitt
 
Zwischen der Markgrafschaft Baden und dem französischen Königreich war es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten gekommen. Als Grenze zwischen beiden galt der "Thalweg", die Hauptrinne des Rheins. Diese änderte sich aber fortlaufend, insbesondere bei Hochwassern. Damit waren regelmäßig sogenannte "Flussbefahrungen" von "gemischten Kommissionen" erforderlich. Die Grenzprobleme und die zunehmenden Hochwasserprobleme zwangen zum Handeln. Am 5. April 1840 unterzeichneten Großherzog Leopold von Baden und der französische König Louis Philippe einen Staatsvertrag zur Begradigung des Rheins. Die Staatsgrenze blieb der "Thalweg", der jährlich durch eine gemischte Kommission festzulegen war, die Eigentumsgrenzen wurden in einem zusätzlichen Protokoll festgehalten.
In der Folgezeit konnten auch in der Furkationszone die Korrektionsmaßnahmen umfassend durchgeführt werden. Den Abschluss bildeten 1876 die Arbeiten am Isteiner Klotz.
 
Verkürzung des Schifffahrtsweges
 
Durch die gesamten Begradigungsmaßnahmen am Oberrhein verkürzte sich der Schifffahrtsweg zwischen Basel und Worms um 81 km. Genauere Angaben findet man bei Löbert: "Durch die Oberrheinkorrektion wurde der Stromverlauf in der Furkationszone um 14 % von 218 km auf 188 km verkürzt und in der Mäanderzone um 37 % von 135 km auf 85 km."
 
Weitere Auswirkungen der Rheinkorrektion
 
Die weiteren Auswirkungen auf die Lebensbedingungen am Oberrhein waren gewaltig. Die Landwirtschaft nahm infolge Landgewinnung zu. Die Fischerei ging stark zurück, die Goldwäscherei wurde ganz eingestellt. Durch die Entsumpfung wurde die Malaria zurückgedrängt. (Detailliertere Angaben findet man in der Arbeit von Traude Löbert.)
Die Rheinkorrektion hatte auch Auswirkungen auf die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren. Maßgebend für den Rückgang der Fischerei auf dem Rhein war das Schwinden von strömungsliebenden Arten wie Stör, Meerforelle, Barbe und Lachs. Mit der Korrektion gingen wichtige Laichplätze verloren. Auch Tierarten wie z.B. der Biber, Schwarzstörche und Fischadler verschwanden allmählich.
 
Plittersdorf begrüßte die Rheinkorrektion.
 
1838 1838 1872 1872 1940 1940 1989 1989
Quelle: WWF-Auen-Institut Rastatt (Riedgemeinden Wintersdorf, Ottersdorf und Plittersdorf)
 
Johann Gottfried Tulla (20.03.1770 - 27.03.1828)
 
Johann Gottfried Tulla

Tulla-Büste
am Institut für Wasser und
Gewässerentwicklung (KIT)
Johann Gottfried Tulla wurde am 20. März 1770 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Karlsruhe geboren. 1797 trat er als Landvermesser in den Dienst des Markgrafen von Baden.
Tulla wurde vom Markgrafen gefördert und gezielt auf seine Aufgabe vorbereitet. In mehreren Studienreisen, unter anderem in Frankreich, vertiefte er seine Kenntnisse. Bei der badischen Straßen- und Wasserbaudirektion stieg er zum Oberdirektor auf. Es folgte die Ernennung zum Oberst.
Im Jahr 1807 gründete Tulla in Karlsruhe die erste deutsche Ingenieurschule. Zusammen mit der Bauschule Weinbren­ners ging aus ihr im Jahr 1825 die Polytechnische Schule hervor. Karlsruhe besitzt hiermit eine der ältesten technischen Hochschulen in Deutschland (später Universität Karlsruhe und heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT)).
1809 legte Tulla den ersten Plan zur Rheinkorrektur vor. Seine beiden einzigen Veröffentlichungen zu dem Thema sind späteren Datums: Die Rectification des Rheines, Karlsruhe 1822, und Über die Rectification des Rheins von seinem Austritt aus der Schweiz bis zu seinem Eintritt in das Großherzogtum Hessen, Karlsruhe 1825.
Tulla starb am 27. März 1828 nach schwerer Krankheit. Er ist auf dem Friedhof am Montmatre in Paris begraben.
 
Literatur
 
Traude Löbert: Die Oberrheinkorrektion in Baden - Zur Umweltgeschichte des 19. Jahrhunderts, Magisterarbeit, Institut für Wasserbau u. Kulturtechnik, Universität Karlsruhe (TH), 1997
Dr. Christoph Bernhardt: Die Rheinkorrektion, In "Der Rhein" aus der Reihe "Der Bürger im Staat", Hrsg. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 50. Jahrgang, Heft 2, 2000, S. 76-81
 
 
   
 
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