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"Regulierung" des Rheins: der Rhein als Wasserstraße
 
Schon die Kelten und Römer nutzten den Rhein als Schifffahrtsstraße. Als die Alemannen und Franken dann die Rheinauen besiedelten, waren zunächst der Einbaum und später das "Dreibord" bzw. "Drubord" (Nachen) die gängigen Transportmittel. Mit den ersten Dampfschiffen auf dem Rhein - der englische Schaufelraddampfer Defiance erreichte am 12. Juni 1816 Köln - war auch für Reisende ein geeignetes Transportmittel geschaffen.
 
Heutransport mit dem Nachen

Heutransport mit dem Nachen
Dampfschiff auf dem Rhein mit Wintersdorfer Rheinbrücke und Rheinstrandbad

Dampfschiff auf dem Rhein mit Wintersdorfer Rheinbrücke und
Rheinstrandbad Wintersdorf-Iffezheim (1929 - 1938)
 
Beim Wiener Kongreß im Jahr 1815 wurde der Rhein zur internationalen Wasserstraße erklärt. Der Wiener Kongress verpflichtete zugleich die Rheinuferstaaten dazu, alles, was die Schifffahrt auf dem Rhein betrifft, in gemeinsamer Übereinkunft zu regeln. Für die gesamte Rheinstrecke wurde eine internationale Aufsichtsbehörde gegründet. Die "Zentralkommission für die Rheinschifffahrt" (ZKR) trat 1816 erstmals in Mainz zusammen. 1860 wurde ihr Sitz nach Mannheim verlegt. Heute ist Straßburg ihr Sitz.
 
Rhein bei Niedrigwasser mit Buhnen

Der Rhein bei Niedrigwasser mit Buhnen
Frachtschiff auf dem Rhein

Frachtschiff auf dem Rhein
 
Die Rheinregulierung
 
Bereits gegen Ende der Rheinkorrektion 1876 flammte die Diskussion über nachteilige Folgen derselben erneut auf. Das verheerende "Jahrhunderthochwasser" 1882/83 trug weiteres dazu bei. Die badischen Wasserbaubehörden reagierten mit einem Bündel von Maßnahmen: verstärkter Dammausbau, Ausweitung der Überflutungsflächen und Einrichtung eines telegraphischen Hochwassernachrichtendienstes.

Ein weiterer Kritikpunkt war die mangelnde Schiffbarkeit des Oberrheins für die Großschifffahrt. Alternativpläne zum Bau eines Kanals zwischen Straßburg und Speyer bzw. Ludwigshafen kamen auf. Die badische Regierung entschied sich jedoch für die von dem badischen Wasserbauingenieur Max Honsell und dem elsässischen Wasserbaudirektor Willgerodt projek­tierte "Regulierung" des Rheins. Max Honsell wurde 1899 Direktor der badischen Wasser- und Straßenbau­verwaltung.

Das Problem war der Schiffsverkehr bei Niedrigwasser aufgrund wandernder Sand- und Kiesbänke und einer unge­nügenden Tiefe der Fahrrinne. Die Regulierungsmaßnahmen mittels Buhnen wurden dann ab 1907 durchgeführt. Schon 1913 verkehr­ten Schleppzüge bis nach Straßburg, in den Folgejahren bis Basel, dem neuen Endpunkt der Großschifffahrt.
 
Max Honsell (10.11.1843 in Konstanz - 01.07.1910 in Karlsruhe)
 
Johann Gottfried Tulla
Max Honsell
Max Honsell war Wasserbauingenieur und Absolvent der Polytechnischen Hochschule in Karlsruhe. 1887 wurde er Professor für Wasserbau an der Technischen Hochschule Karls­ruhe. Ab 1899 war er Direktor der badischen Wasser- und Straßenbaudirektion. 1906 wurde er zum badischen Finanzminister ernannt.

Als junger Wasserbauingenieur war er bei den abschließenden Korrektionsarbeiten Tullas im Mannheimer Raum tätig.

Max Honsells großer Verdienst war die Niederwasserregulierung des Rheins. Damit ver­besserte er die Schiffbarkeit des Oberrheins bis Straßburg und machte den seinerzeit viel diskutierten Plan zum Bau eines Kanals parallel zum Rhein zwischen Straßburg und Speyer bzw. Ludwigshafen überflüssig.
 
 
Die Frachtschifffahrt am Oberrhein heute
 
Heute ist der Rhein die am stärksten befahrene Binnenwasserstraße von Europa. Pro Jahr passieren etwa 40.000 Schiffe die Schleuse Iffezheim. Die Badischen Neuesten Nachrichten bringen in einem Artikel vom 02.06.09 eine Aufgliederung der transportierten Güter für das Jahr 2008:
  • Steine, Erden und sonstige Baustoffe mit 9,5 Millionen Tonnen (vor allem talwärts aufgrund der vielen Kieswerke ab Kehl)
  • Mineralölerzeugnisse mit 5,3 Millionen Tonnen (vor allem stromaufwärts zu den Chemiewerken am Hochrhein)
  • Getreide und landwirtschaftliche Erzeugnisse mit 3,7 Millionen Tonnen
  • Erze und Metallschrott mit 1,8 Millionen Tonnen
  • Düngemittel, feste Brennstoffe und chemische Erzeugnisse
Kooperation der Binnenhäfen am Oberrhein
 
Neun Binnenhäfen am Oberrhein haben sich zusammengetan, um mit Unterstützung der Europäischen Union den Rhein für den Güterverkehr zu Wasser noch attraktiver zu machen. Der Fluss spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der trans­euro­päischen Verkehrs­netzwerke (TEN-V). Es handelt sich um die Häfen von Straßburg, Colmar, Kehl, Karlsruhe, Ludwigshafen und Mannheim sowie um das Konsortium Rhein-Ports Basel-Mulhouse-Weil.
 
 
Die Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung
 
Der Rhein ist, soweit er auf deutschem Territorium verläuft, eine "Bundeswasserstraße". Er obliegt damit der "Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung" (WSV) des Bundes. Zuständig ist die "Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt" (GDWS) mit ihren nachgeordneten " Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern" (WSA bzw. WSÄ). Die Generaldirektion ihrerseits untersteht dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Am Oberrhein sind zuständig das Wasser­straßen- und Schifffahrtsamt Freiburg (für die deutsch-französische Grenzstrecke von Basel bis Lauterbourg (von Rhein­kilometer 170,0 bis 352,1) und anschließend das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mannheim (von Rheinkilometer 352,1 bis 493,5).
 
 
Die Rheinkilometrierung
 
Die Kilometrierung eines Flusses findet üblicherwewise stromaufwärts statt. So liegt der Nullpunkt der Donau bei deren Mün­dung in das Schwarze Meer. Bei Neckar, Main und Mosel beginnt die Zählung bei der Mündung in den Rhein, ebenso bei der Murg. Anders beim Rhein: er wird stromabwärts kilometriert.

Infolge der Rheinkorrektion durch Tulla regte die Zentralkommission für die Rheinschiffahrt (ZKR) eine durchgehende Kenn­zeichnung (Vermarkung) des gesamten Rheins an. In den Jahren 1863 bis 1867 wurden somit ab Basel in einem Abstand von jeweils 10 Kilometer am Ufer beiderseits des Rheins Vermarkungssteine gesetzt, die sogenannten "Myriametersteine". Nur noch wenige davon sind erhalten geblieben, sie stehen deshalb unter Denkmalschutz. Einer von ihnen befindet sich auf Rastatter Seite kurz unterhalb der Wintersdorfer Rheinbrücke.
 
Myriameterstein bei Rastatt-Wintersdorf

Myriameterstein bei Rastatt-Wintersdorf
Die Myriametersteine tragen auf allen vier Seiten Angaben. Auf der flussaufwärts- und der flussabwärts­gewandten Seite ist die jeweilige Entfernung zur damaligen Landesgrenze angegeben. Die Landseite nennt die Entfernungen bis Basel und Rotterdam. Die Wasserseite trägt die Nummer des Steins in lateinischen Zahlen. Unter der Nummer folgt ein waagerechter Strich und darunter die Höhe über A.P. (Amsterdams Peil /Amsterdamer Pegel). Übrigens wurde dieser Höhenmesspunkt 1879 von der Deutschen Reichsregierung als Normal-Null über­nommen und daher sind A.P. und N.N. identisch.

Der Wintersdorfer Myriameterstein trägt die römischen Ziffern XVII, er ist also der 17. Vermarkungsstein ab Basel und somit 170 km vom Nullpunkt entfernt.
 
Die Myriametersteine wurden bereits von 1883 bis 1910 etappenweise ersetzt. Die damals selbständigen Rheinuferstaaten Baden, Bayern, Hessen und Preußen sowie die Niederlande hatten ihren jeweilen Stromanteil unabhängig voneinander vermessen. Die Kilometrierungen begannen fortan mit ihrer Nullmarke an der südlichen Landesgrenze und liefen von da aus stromabwärts. Die Myriametersteine waren zunächst übergangsweise noch bis 1890 gültig.
 
Die heutige Kilometrierung gilt seit dem 1. April 1939. Sie ist wieder eine durchgängige Markierung und beginnt in Konstanz (Mitte der Rheinbrücke) bei Kilometer 0,0 und endet in Hoek van Holland (Niederlande) bei Kilometer 1032,8. Zwischenwerte betragen für den Seerhein, Untersee und Hochrhein von Konstanz bis Basel 167 km (0-167), für den Oberrhein von Basel bis Bingen 362 km (167-529), für den Mittelrhein von Bingen bis Köln 159 km (529-688) und für den deutschen Niederrhein von Köln bis zur Grenze 177,5 km (688-865,5). Dabei ist auf der deutsch-schweizerischen Rheinstrecke das deutsche Rheinufer maßgebend, ebenso auf der deutsch-französischen Rheinstrecke bis Lauterbourg; auf der übrigen Strecke zählt die Strom­mittellinie (Quelle: Wikipedia).
 
Die vollen Kilometer werden durch weiße, rechteckige Tafeln mit schwarzer Kilometerzahl, die halben Kilometer durch kleinere quadratische Tafeln mit schwarzem Kreuz auf weißem Grund und die dazwischen liegenden 100-Meter-Marken (Hektometer) durch senkrecht stehende weiße, rechteckige Betonsteine mit den Ziffern 1 bis 4 und 6 bis 9 gekennzeichnet. Kilometer-Marke  500-Meter-Marke
 
Literatur
 
• Dr. Christoph Bernhardt: Die Rheinkorrektion, In "Der Rhein" aus der Reihe "Der Bürger im Staat", Hrsg. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 50. Jahrgang, Heft 2, 2000, S. 76-81
• Badische Neueste Nachrichten: "Steine und Erden" ganz vorn, Artikel vom 02.06.2009
• Badisches Tagblatt: Mehr Güter aufs Wasser, Artikel vom 28.11.2012
• Wikipedia: Rhein
 
 
   
 
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