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Natura 2000-Gebiete
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Natura 2000-Gebiete
 
Berner Konvention
 
Die Berner Konvention ("Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume", engl.: "Convention on the Conservation of European Wildlife and Natural Habitats") ist ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarates über den Schutz europäischer wildlebender Tiere und Pflanzen aus dem Jahr 1979. Das Abkommen ist am 1. Juni 1982 in Kraft getreten und von 42 europäischen und 4 afrikanischen Staaten sowie der Europäischen Gemeinschaft ratifiziert worden.
 
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie)
 
Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie, ist eine im Jahre 1992 von der Europäischen Union beschlossene Naturschutzrichtlinie. Dabei bedeutet Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum). Der ausführliche Titel der Richtlinie lautet: "Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen". Die FFH-Richtlinie bildet zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie im Wesent­lichen die Umsetzung der Berner Konvention durch die EU und ihre Mitgliedstaaten. Beide Richtlinien sind ihrerseits verbindlich umzusetzendes EU-Recht. Mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) im Jahre 1998 wurde die FFH-Richtlinie in Deutschland juristisch verankert. Auch in das Naturschutzgesetz Baden-Württemberg (NatSchG) wurde die Richtlinie aufgenommen.
Text der Richtlinie 92/43/EWG (Stand 2007, PDF)
 
Anhänge der FFH-Richtlinie, Prioritäre Arten
 
Die Anhänge I und II listen die europaweit gefährdeten Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse auf, für deren Erhalt "Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung" (= "sites of community interest", SCI) ausgewiesen werden sollen. In Anhang IV sind die direkt geschützten Arten aufgelistet, egal ob sie innerhalb oder außerhalb von Schutzgebieten auftreten.

Ein kleiner Teil der in den Anhängen I und II der FFH-Richtlinie aufgeführten Lebensräume und Arten ist durch ein Stern­chen (" * ") als "prioritär" gekennzeichnet. Gemeldete Gebiete mit prioritären Arten oder Lebensraumtypen werden auf europäischer Ebene grundsätzlich als Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung betrachtet. Diese Einstufung hat beson­ders strenge Schutzvorschriften im Falle von Eingriffen zur Folge (ggfs. Verpflichtung zur Beteiligung der Europäischen Kommission vor der Projektzulassung bzw. Plangenehmigung).
 
Vogelschutzrichtlinie
 
Die Vogelschutzrichtlinie der EU ("Richtlinie des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung wildlebender Vogelarten (79/409/EWG)") trat bereits 1979 in Kraft und regelt den Schutz der wildlebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume in der Europäischen Union.
Text der Richtlinie 79/409/EWG (Stand 2007, PDF) und aktuelle Fassung 2009/147/EWG (Stand 30.11.2009, PDF)
 
Natura 2000 Netz
 
Die FFH-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie bilden zusammen die Basis für Natura 2000. Ziel von Natura 2000 ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Bewahrung des Naturerbes in Europa für zukünftige Generationen.

Dabei verfolgt die FFH-Richtlinie im Kern zwei Strategien: Für bestimmte Arten und Lebensräume werden FFH-Schutz­gebiete ausgewiesen. Diese bilden zusammen mit den Gebieten der Vogelschutzrichtlinie das Netzwerk Natura 2000. Andere Arten sind durch direkte Bestimmungen flächendeckend geschützt - unabhängig davon, ob sie sich in einem Schutzgebiet befinden.

Wichtig dabei ist der Netzgedanke: Gerade in Zeiten des Klimawandels, durch den sich die Standortbedingungen in ein­zelnen Schutzgebieten gravierend ändern können, ist die Förderung der natürlichen Ausbreitungs- und Wanderprozesse von Tieren und Pflanzen eine unverzichtbare Voraussetzung, um ihr Überleben zu sichern.
 
Ausweisverfahren der Natura 2000-Schutzgebiete
 
Die Vogelschutzgebiete gelten unmittelbar nach ihrer Meldung durch die Mitgliedstaaten an die EU-Kommission als besondere Schutzgebiete (Special Protected Areas - SPA) und gehören damit dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 an. Die europäischen Vogelschutzgebiete unterliegen den Schutzkriterien der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Anders ist es bei den FFH-Gebieten. Dort vollzieht sich die Ausweisung drei Phasen:
In einer ersten Phase erarbeiten die EU-Mitgliedstaaten die FFH-Gebietsvorschläge für das Netz Natura 2000 (proposed Sites of Community Importance - pSCI) und leiten diese an die Europäische Kommission weiter.
In der zweiten Phase werden die Gebiete auf der europäischen Ebene hinsichtlich ihrer gemeinschaftlichen Bedeutung bewertet und es wird von der Europäischen Kommission in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten eine Liste der Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (Sites of Community Importance - SCI) erstellt. Dabei wird nach den "biogeografischen Regionen" differenziert.
In der dritten Phase schließlich weisen die EU-Mitgliedsstaaten die ausgewählten Gebiete als "Besondere Erhaltungs­gebiete (BEG)" aus. In Deutschland ist die Unterschutzstellung der FFH-Gebiete in § 33 Absätze 2-4 des Bundesnatur­schutzgesetzes geregelt. Danach erfolgt die Schutzgebietsausweisung durch die Bundesländer.
 
Biogeografische Regionen
 
Das Gebiet der Europäischen Union wird aufgrund geografischer und klimatischer Gegebenheiten in biogeografische Regionen unterteilt.
 
Biogeografische Regionen in Europa

Karte der Biogeografischen Regionen der EU (Stand 2010)
(Quelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
Die FFH-Richtlinie unterscheidet inzwischen folgende biogeographische Regionen:
  • Arktisch
  • Boreal (nordeuropäisch)
  • Atlantisch
  • Kontinental (mitteleuropäisch)
  • Alpin
  • Pannonisch (osteuropäisch)
  • Mediterran
  • Makaronesisch (Kanaren, Azoren, Madeira)
  • Steppe
  • Schwarzmeer
  • Anatolisch
Deutschland ist an drei der biogeographischen Regionen beteiligt: alpin, atlantisch und kontinental.
 
Managementpläne
 
In FFH-Gebieten sind Arten und Lebensräume, die in den Anhängen I und II aufgeführt sind, zu schützen; ihr Erhaltungs­zustand darf sich nicht verschlechtern. Eine anderweitige Nutzung ist jedoch zulässig, wenn diese die betreffenden Arten und Lebensräume nicht beeinträchtigt. Es gilt also, die Interessen des Naturschutzes mit den wirtschaftlichen und sozialen Interessen in Einklang zu bringen. Dies ist Aufgabe des "Managementplans". Er führt zudem jene Maßnahmen auf, die für den Erhalt der Arten Lebensräume ergriffen werden müssen.
 
FFH-Verträglichkeitsprüfungen
 
Für Baumaßnahmen und Maßnahmen der Infrastruktur besteht in FFH-Gebieten kein generelles Verbot. In einer Vor­prüfung muss untersucht werden, ob ein Vorhaben geschützte Arten und Lebensräume erheblich beeinträchtigen könnte. Kann dies nicht ausgeschlossen werden, dann muss eine detaillierte "FFH-Verträglichkeitsprüfung" erfolgen. In Aus­nahmefällen kann das Vorhaben trotzdem durchgeführt werden; entstehende Beeinträchtigungen müssen dann aber ausgeglichen werden. Besondere Regelungen gelten für Gebiete mit prioritären Lebensraumtypen und Arten (ggfs. Verpflichtung zur Beteiligung der Europäischen Kommission vor der Projektzulassung bzw. Plangenehmigung).
 
Monitoring und Berichte
 
Die FFH-Richtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten dazu, den Erhaltungszustand der Arten und Lebensräume von gemein­schaftlichem Interesse zu überwachen. Die Mitgliedstaaten müssen alle sechs Jahre einen Bericht über den Umsetzungstand der FFH-Richtlinie vorlegen. Auf der Grundlage der nationalen Berichte erarbeitet die Europäische Kommission einen zusam­menfassenden Bericht. FFH-Berichte sind bisher in den Jahren 2007 und 2013 erfolgt.
 
Links und Literatur
 
Wikipedia: Natura 2000
Bundesamt für Naturschutz: Natura 2000
Bundesamt für Naturschutz: Steckbriefe der Natura 2000 Gebiete (Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete)
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Die Lage der Natur in Deutschland - Ergebnisse von EU-Vogelschutz- und FFH-Bericht, März 2014
 
 
   
 
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