Am Lichtenwörth
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Rheinfähre Plittersdorf - Seltz
 
Rheinfähre 'Saletio'
Rheinfähre 'Saletio' am ersten Fährtag am 11. September 2010 an der Plittersdorfer Anlegestelle
 
Der Fährverkehr in früheren Zeiten
 
Die erste urkundliche Erwähnung einer Seltzer Fähre datiert vom 14. April 1310 und ist im Straßburger Archiv zu finden. Um das Jahr 1307 hatte der Rhein seinen Lauf bei Iffezheim geändert, Seltz ein schweres Hochwasser gebracht und das Ried vom Elsass getrennt. Bald danach setzte Seltz eine Fähre zur Erreichung der nun auf einer Insel liegenden Riedorte ein.
 
Während des Rastatter Kongresses, der von 1797 bis 1799 tagte, wurde eine "fliegende" Brücke eingesetzt, danach wieder eine Fähre. Um 1840 fand bei Plittersdorf die Rheinkorrektion statt. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde für militärische Zwecke eine Schiffsbrücke gebaut. Sie wurde später auch für die Bevölkerung freigegeben. Nach Kriegsende im Jahre 1871 wurde die Schiffsbrücke abgebaut und wieder durch eine "fliegende" Brücke ersetzt. Doch die Einwohner hatten die Vorteile einer Schiffsbrücke schätzen gelernt. So wurde am 18. März 1873 dann eine neue Schiffsbrücke eingeweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Brücke in den Besitz Frankreichs über.
 
Zu Anfang des Zweiten Weltkriegs wurde die Schiffsbrücke von den Franzosen zerstört. Während des Krieges verkehrte zwischen dem Brückenkopf am rechten Ufer und der Schiffsbrücke am linken Ufer zunächst eine Fähre, die von zwei Booten geschoben wurde. Diese wurde später durch eine Gierseilfähre ersetzt; das Seil war im Rhein verankert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zeitweise eine französische Pionierbrücke, welche 1948 durch eine andere ersetzt wurde. Um den Schiffsverkehr auf dem Rhein zu gewährleisten, verkehrte zwischen dem Brückenkopf auf deutscher Seite und der Schiffsbrücke auf französischer Seite eine Seilfähre, die allein durch die Kraft des Wasserstromes bewegt wurde. Das Hochseil, an dem die Fähre hing, war seit 1960 an zwei hohen Metallmasten über den Rhein gespannt. Im Jahr 1998 wurde die Fähre vom französischen Staat an das Département du Bas-Rhin übergeben, das seither Betreiber und damit finanziell verantwortlich war.
 
Frühere Rheinfähre Plittersdorf-Seltz
Frühere Rheinfähre Plittersdorf-Seltz, im Vordergrund die französische, im Hintergrund die deutsche Anlegestelle (Quelle: Pamina-Rheinpark)
 
Unfall und Bau einer neuen Fähre
 
Dann kam der 27. August 2005. Um 4 Uhr morgens rammte auf französischer Seite ein Schiff die fast 50 Jahre alte Fähre und zerstörte die Stahlkonstruktion der Befestigungsbrücke. Der unterelsässische Generalrat entschied sofort, dass die Rheinüberquerung bei Seltz auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. 2007 beschloss die Behörde des Départements du Bas-Rhin, eine neue Fähre bauen zu lassen und vergab den Auftrag an die französische Werft Delavergne in Avrillé bei Nantes unweit der Atlantikküste. Die alte Fähre wurde verschrottet. 2009 und 2010 wurden die Anlegestellen erneuert. Zusätzlich wurden sogenannte "Abweiser" im Rhein postiert, so dass ein fehl­geleitetes Schiff zuerst mit diesen Stahl­pfählen kollidieren würde.
 
Die "Saletio"
 
Die neue Fähre mit dem Namen "Saletio" ist ein "Trimaran". Das blaue Fährschiff mit dem weißen Turm ist 25 Meter lang und 15 Meter breit. Es bietet Platz für sechs PKW, 28 Fahrräder und 70 Personen. Als Strömungsfähre benötigt sie keinen eigenen Antrieb, hat aber aus Sicherheitsgründen doch einen Motor. Am Bug befinden sich Sonnenkollektoren. Mit ihnen und mit zwei Schaufelrädern, die Generatoren antreiben, erzeugt das Fahrzeug Strom. Für die Gesamtmaßnahme aus Fähre, Pontons, Stahlpfählen und Arbeiten mussten 5,8 Millionen Euro aufgebracht werden.
 
Die neue Fähre vier Wochen nach Inbetriebnahme bereits wieder außer Betrieb
 
Die neue Fähre, am 12. September 2010 mit einem großen grenzüberschreitenden Fest offiziell eingeweiht, stand bereits am 7. Oktober zeitweise wieder still, ebenso am 10. Oktober. Danach wurde die Fähre auf unbestimmte Zeit außer Betrieb gesetzt. Das gegenüber der früheren Fähre wesentlich leichtere Aluminiumgefährt war nur schwerlich zu manövrieren, wenn der Wasserstand niedrig war und zugleich starker Nordwind bließ. Dann hing das Führungsseil durch.
 
Nachbesserungen und Neustart im Sommer 2011
 
Im Rahmen von Nachbesserungen wurden zusätzliche Metallprofile angebracht. Im Sommer 2011 war es dann soweit, dass die "Saletio" wieder fahrbereit war. Nach zahlreichen Probefahrten startete der Fährbetrieb ab dem 9. Juli 2011 erneut. (Info-Telefon zum Fahrbetrieb: (00 33) 3 68 33 80 81)
 
Fahrgastzahlen
 
Im Jahr 2012 bei 24.575 Überfahrten: 103.779 Autos, 61.506 Fahrräder, 35.058 Fußgänger
Im Jahr 2013 bei 23.422 Überfahrten: 98.975 Autos, 51.290 Fahrräder, 29.824 Fußgänger (im Juni Hochwasser!)
 
Links
 
Information zum Fahrplan
Bac en fonctionnement? (Fähre in Betrieb?)
 
Literatur
 
• Badisches Tagblatt: Franzosen bauen neue Fähre, Artikel vom 24.03.2007
• Badisches Tagblatt: Fünf Spezialkonvois für die neue Rheinfähre, Artikel vom 22.07.2010
• Wochenjournal WO, Hrsg. Badisches Tagblatt: Die neue Fähre wird gebührend gefeiert, Artikel vom 08.09.10
• Badisches Tagblatt: Neustart für Rheinfähre nach 140 Probefahrten, Artikel vom 07.07.2011
 
 
Plittersdorfer Ankerbrücke
 
Ankerbrücke über den Altrhein bei Plittersdorf
Ankerbrücke über den Altrhein bei Plittersdorf
 
Die Rheinfähre allein reicht nicht, um trockenen Fußes von Plittersdorf nach Seltz zu gelangen. Unmittelbar nach dem Ort gilt es zunächst den Plittersdorfer Altrhein zu überqueren. Hierfür gibt es die "Ankerbrücke".
 
"Die noch vorhandenen ersten Aufzeichnungen einer Brücke über einen Rheinarm bei Plittersdorf stammen aus dem Jahr 1837. In den Berichten über einen Brückenneubau im Jahre 1880 wird auf die Schwierigkeiten der Gründung des Bau­werks hingwiesen, da kein fester Untergrund für die Errichtung von Pfeilern vorhanden war. Man verteilte daher die Last der Brücke und des darüberrollenden Verkehrs auf viele Pfahljoche. Auch bei dem 1902 durchgeführten Umbau der Brücke erreichte man keine größeren Spannweiten der Einzelfelder und blieb bei einer Unterstützung der Fahrbahntafel durch Pfahljoche. Aus strategischen Gründen verstärkte man 1938 ⁄ 39 dieses Bauwerk durch Einbau von Unterzügen, Streben und Zangen. Die im letzten Kriegsjahr zerstörte Brücke wurde 1945 von den damaligen Besatzungstruppen wieder in der alten Form aufgebaut, da sie die einzige Zufahrt zu der Rheinfähre Plittersdorf - Seltz darstellte. Eine 1950 durchgeführte Erneuerung des Fahrbahnbelages konnte die Tragfähigkeit des Bauwerks nicht mehr wesentlich steigern. Schon 1954 mußte die Brücke für Fahrzeuge über 6 t Gesamtgewicht und für eine Geschwindigkeit von mehr als 15 km ⁄ h gesperrt werden. Bei der im Jahr 1958 erbauten Spannbetonbrücke wurden auch die Gründungsschwierigkeiten durch Einbringen von 10 - 12 langen Bohrpfählen bis auf den tragfähigen Untergrund überwunden. Auf diesen Pfählen ruhen die 4 schlanken Brückenpfeiler, die das etwa 100 m lange Bauwerk nur noch in 5 Felder unterteilen." (Quelle: s.u.)
 
Bemerkung: Ein Pfahljoch ist eine quer zur Brücke in den Flussgrund getriebene Pfahlreihe mit einem über die Pfähle verlegten Balken.
 
Ergänzung: Aus einer Rheinkarte von 1828 geht hervor, dass der heutige Festplatz von Plittersdorf nahe der Ankerbrücke damals Anlegestelle einer Fähre war.
 
Literatur
 
Ruthard Hambrecht: Straßenbrücken im Landkreis Rastatt, Um Rhein und Murg, 7. Heimatbuch des Landkreises Rastatt, 1967, S. 93 - 114
 
 
   
 
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